BLUE CAP INSIGHTS: M&A SPEZIAL
Die Entwicklung der con-pearl im Überblick
con-pearl gehörte seit 2019 zur Blue Cap-Gruppe. Der Mitte August vollzogene Verkauf des Unternehmens markiert den Abschluss einer sechsjährigen Entwicklung, die verschiedene Phasen durchlaufen hat und ein anschauliches Beispiel für die Umsetzung unserer Strategie darstellt. In diesem Beitrag geben wir einen Überblick über die vergangenen Jahre und die wesentlichen Transformationsmaßnahmen, mit denen wir das Unternehmen weiterentwickelt haben.
Die Jahre 2019-2021: Fokussierung auf das Kerngeschäft und Reorganisation
Als die Blue Cap AG im August 2019 die con-pearl übernahm, befand sich das Unternehmen aufgrund einer zu breiten Produktpalette mit wenig Synergien in einer Ergebniskrise. Die bereits während der Due-Diligence-Phase identifizierten Wertsteigerungspotenziale boten jedoch zahlreiche Ansatzpunkte für eine umfassende Transformation.
Kurz nach der Übernahme entwickelte die Blue Cap gemeinsam mit dem neuen con-pearl-Management einen Wachstumsplan mit Fokus auf das Kerngeschäft und den Abbau von Komplexität. Strategisches Ziel war es, die Hohlkammerplatte – mit ihren herausragenden Eigenschaften wie Flexibilität, Widerstandsfähigkeit, geringem Gewicht und hohem Recyclinganteil – in zusätzliche Anwendungen zu bringen und neben der Zulieferrolle auch vollständige Systeme am Markt anzubieten.
Dazu wurden verlustbringende Bereiche wie die Herstellung von Kofferraumteppichen und Spritzgussteilen für die Automobilindustrie aufgegeben. Parallel restrukturierte das Unternehmen die Prozesse am Hauptsitz in Geismar. Der Vertrieb wurde gezielt gestärkt, um neue Kundengruppen zu erschließen.
Die Jahre 2022-2024: Ausbau des Logistik-Geschäfts und Expansion in die USA
In den darauffolgenden Jahren lag der Fokus auf einer stärkeren Diversifizierung hinsichtlich Abnehmerbranchen und Regionen. Das Geschäft im Logistiksegment profitierte insbesondere während der Corona-Pandemie von der zunehmenden Verlagerung des Einzelhandels in den E-Commerce.
Ein Meilenstein der letzten Jahre war die erfolgreiche Expansion in die USA. Der Markt bot hohes Potenzial, da es nur wenige Anbieter vergleichbarer Produkte gab. Zugleich erkannten Kunden dort zunehmend den Mehrwert der Nachhaltigkeitskompetenz von con-pearl. Dies verschaffte dem Unternehmen nicht nur einen Wettbewerbsvorteil, sondern stärkte auch seine Position in einem Markt, der zunehmend Wert auf ressourcenschonende und kreislauffähige Lösungen legt: Die vollständige Recyclingfähigkeit der Produkte ermöglicht es, ausgediente Erzeugnisse in den eigenen Werken aufzubereiten und zu neuen Produkten zu verarbeiten. Dies schlägt sich auch in einem möglichst geringen Rohstoffeinsatz nieder, der sich vor allem in Zeiten von Ressourcenknappheit und Preissteigerungen auf allen Ebenen bewährt.
Das Jahr 2025: Aktuelle Entwicklungen und Exit
Die umgesetzten Transformationsmaßnahmen führten zur Rückkehr auf einen profitablen Wachstumspfad, der sich in diesem Jahr weiter verstetigte. So profitierte das Unternehmen im ersten Halbjahr 2025 von einem stabilen Auftragsbestand und einer positiven Margenentwicklung. Im Rahmen des regelmäßigen Reviews der Portfoliogesellschaften im Rahmen unseres Best-Owner-Ansatz fiel die Entscheidung, dass ein sinnvoller Exit-Punkt erreicht ist. In den nächsten Jahren sollen weitere Abnehmerbranchen und regionale Märkte erschlossen werden – für diese Schritte ist die Inteplast Group Corporation der ideale neue Eigentümer: als strategischer Investor verfügt Inteplast über vorhandene Strukturen und Synergiepotenziale, die die weitere Entwicklung der con-pearl optimal unterstützen können.
Der Gesamterlös (vor Steuern) aus dem Verkauf liegt im hohen zweistelligen Millionenbereich und mehr als 10 % über der Net Asset Value-Bewertung zum 31. Dezember 2024. Der Unternehmensverkauf entspricht einer Verzinsung des investierten Kapitals (Internal Rate of Return) von jährlich rund 60 % und bedeutet ein Multiple auf das eingesetzte Kapital von rund 15x.
Für die gemeinsame Zukunft wünschen wir beiden Unternehmen alles Gute.
Über con-pearl
Die Wertschöpfung von con-pearl beginnt bereits bei der Gewinnung des Rohstoffs im firmeneigenen Recycling-Werk. Dabei wird Kunststoffgranulat aus postindustriellen Polypropylen- und Polyethylenabfällen gewonnen. Das Granulat wird entweder nach kundenspezifischen Anforderungen aufbereitet und als hochwertiges Recyclat direkt verkauft oder in der internen Produktion im Hauptwerk eingesetzt. Im Verlauf der weiteren Wertschöpfungskette ist con-pearl auf die Herstellung thermisch-laminierter Hohlkammerplatten aus Polypropylen-Folienbahnen spezialisiert. Die Anwendung in den zwei wichtigsten Abnehmerbranchen ist vielfältig: In der Automobilindustrie werden die Hohlkammerplatten als Ladeböden, Seitenwandverkleidungen und Kofferraumboden in Transportern und Bussen eingesetzt. Für die Logistikbranche entwickelt und fertigt con-pearl individuelle wiederverwendbare Transport- oder Lagerverpackungen.
